“One Concept Method” – was ist das und wozu ist es gut?

Nachdem ich jetzt ja schon einige Jahre mit dem Entwickeln von Brandings zu tun hatte, haben sich in meinem Arbeitsprozess ein paar Dinge herauskristallisiert, die ich jetzt gern mal in Angriff nehmen würde.

“One Concept Method” – was ist das und wozu ist es gut?

Bislang hatte ich meinen Kunden und Kundinnen nach der Auswertung ihres Fragebogens drei oder mehr Bildmarke-Entwürfe mit unterschiedlichen Typografien geschickt, aus denen dann nach dem Baukastenprinzip unterschiedliche Kombinationen zusammengestellt werden konnten. So weit, so gut. Das ist der “Industriestandard” und den hatte ich nicht wirklich in Frage gestellt. Gerade im letzten Jahr hatte ich aber den Eindruck, dass meine Auftraggeber*innen mit dieser Auswahlmöglichkeit leicht überfordert waren. Und am Ende wurde in allen Fällen der Entwurf gewählt, den ich am stärksten fand und von vornherein favorisiert hatte.

Das hat mich zum Nachdenken gebracht, ob der Industriestandard vielleicht einfach in dieser Form nicht so gut funktioniert. Und ich habe mich ein wenig umgeschaut, wie andere Designer den Branding-Prozess gestalten. Dabei stellte sich heraus, dass ich nicht die einzige bin, die mit dem Baukastenprinzip ihre Schwierigkeiten hatte – denn als Alternative setzt sich mehr und mehr das sogenannte “One Concept” Modell durch.

Was ist die “One Concept” Methode?

Hierbei präsentiert der/die Grafiker*in nach Auswertung des Fragebogens und eigener Recherchen keine Auswahl an Entwürfen und Schriften, sondern ausschließlich das seiner/ihrer Meinung nach stärkste Konzept.
Das erfordert vom Grafiker/der Grafikerin eine Menge Selbstbewusstsein und vom Kunden/der Kundin Vertrauen. Ich habe dieses Konzept jetzt erst ein einziges Mal ausprobiert, aber ich bin schwer begeistert. Denn natürlich mache ich immer noch eine Vielzahl von Skizzen und teste sehr lange verschiedene Farben und Schriften aus. Aber mit meiner Erfahrung und dem Wissen aus den Kundengesprächen habe ich ein Gespür dafür entwickelt, was funktionieren kann und treffe dann für mich die Entscheidung, welches meiner Designs die Marke am erfolgreichsten repräsentieren wird.

Und warum soll das gut sein?

Wenn ich mehrere Konzepte vorstelle, dann gebe ich ein Stück weit meiner Verantwortung als Grafikerin an die Kunden ab, weil diese dann einzelne Elemente herauspicken sollen. Dabei fällt das nicht in die Kernkompetenzen meiner Kunden – sonst hätten sie schließlich nicht mich mit dem Branding beauftragen müssen, sondern es einfach selbst gemacht. Das “One Concept” Prinzip nimmt mich also viel stärker in die Verantwortung und erhöht damit meinen Druck – das habe ich vor allem bei der finalen Entscheidung gemerkt, als es darum ging, sich auf einen Entwurf festzulegen. Aber es ermutigt mich auch, ein Konzept schon direkt zu Beginn besser auszuarbeiten und zu präsentieren, weil ich meine Zeit und Energie nicht mehr auf drei oder fünf Entwürfe verteilen muss.

Und die Kunden?

Auf Kundenseite gibt es die (berechtigte) Frage “Und was, wenn mir der eine Entwurf nicht gefällt?” Das kann ich natürlich gut nachvollziehen und daher ist es mir ganz wichtig, hier nochmal klarzustellen: Das “One Concept”-Prinzip funktioniert nicht nach dem Motto “Friss oder stirb”. Es ist genauso sehr eine Kollaboration wie alle anderen Methoden. Und wenn wir feststellen, dass es beim Konzept etwas nachzubessern gibt (was mit sehr großer Wahrscheinlichkeit so sein wird, weil niemand perfekt ist) dann mache ich das natürlich. Aber durch die fehlende Auswahl kann man sich sehr viel besser darauf konzentrieren, was genau für das Branding noch nicht 100%ig passt und warum es nicht passt. Gerade dieses warum ist total wichtig, weil wir damit weg vom persönlichen Geschmack und hin zu Zielgruppen-relevanten Entscheidungen kommen. Und weil durch die “One Concept”-Methode an viel weniger Stellschrauben gedreht werden muss, ist es für alle Seiten entspannter und letzten Endes auch präziser.

Ich hoffe, ich konnte meine Motivation hier einigermaßen deutlich machen – vielleicht wird die Zeit zeigen, dass auch diese Methode nicht das non-plus-ultra ist oder noch weiter modifiziert werden muss. Aber ich freue mich darauf, das auszuprobieren und hoffe, dass wir uns alle darauf einlassen können.

Ahoi!

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